DSGVO: Die Autokratie der EU Beamten / Großunternehmen

Tickern bei euch auch inzwischen zweitäglich irgendwelche Artikel zur bald aktiven Datenschutzgrundverordnung über den Bildschirm? Als One-Man-Agentur muss ich mich zwangsläufig damit beschäftigen, denn ich kann sogar für Kundenprojekte haftbar gemacht werden. Spoiler: ohne zertifizierten Datenschutzbeauftragten kannst du dir in Zukunft alle großen Kundenprojekte sparen, ebenfalls Startups und ähnliches.

Eigentlich ist die Verordnung ja schon in Kraft getreten, aber wir befinden uns derzeit noch in der Übergangsphase. Am 25. Mai 2018 wird es dann ernst: in der gesamten EU haben die Besucher deiner Webseite detailliert darüber informiert zu werden, welche Daten du auf welche Art und wo speicherst und was du damit anstellst. Im Gegensatz zu jetzt musst du alles genau beschreiben. Sei es Mail-Adress-Hashes, IP-Adressen, Cookies etc. Und es geht noch weiter: jeder EU Bürger hat das Recht auf Löschung und Einsicht. Soweit nicht verwunderlich, aber wie soll das bitte bei Google Analytics, Werbebannern von Google für ein bisschen Werbeeinnahmen etc. gehen? Noch besser: Twitter Wall und ähnliches. Achja, Social Plugins von Facebook sind ja bereits per se verboten, d.h. darüber brauchen wir uns keine Sorgen mehr machen. Normale Sharingbuttons sind natürlich erlaubt. Aber nicht vergessen: genau beschreiben, was gesendet wird 😉

Ich für meinen Teil bin es langsam Leid zur potentiellen Zielscheibe für Abmahnanwälte zu werden und stelle daher bis nächstes Jahr einiges an Funktionen ein. Wenn die EU meint, alles in einen Verwaltungsakt pressen zu müssen, denn damit sind dann alle EU Bürger sicherer im Netz unterwegs, ist das ein Witz. Was dabei rauskommt: sie dann sicherer vor Vielfalt im Netz und kleinen Mitbewerbern. Ich warte schon auf die Internetsteuer für jede Webseite, weil sie ja Teil der Bandbreite belegen und damit digitale Infrastruktur nutzen – ähnlich zur KfZ Steuer.

Letztlich muss sich jetzt jeder Seitenbetreiber, jede Agentur etc. überlegen: was lohnt sich eigentlich noch auf der Webseite ohne hohes wirtschaftliches Risiko umzusetzen? Für alle, die sich jetzt über ihre Facebook Fanseiten freuen und denken, „na siehste, Webseite kannst dir sparen“ – euch trifft es genauso. Jedes YouTube Profil, Fanseiten, Twitterprofile etc. Das alles sind öffentliche Webseitenauftritte, die unter eurer Verantwortung stehen. Sieht man z.B. daran, dass YouTube ab sofort Mail-Adressen von Nutzern rausgeben muss, die z.B. gegen das Urheberrecht verstoßen haben. Freut euch auf neue Abmahnwellen.

Was bleibt? Die EU zentralisiert, wo sie kann. Zerstört digitale Selbstständigkeit, überlässt alles nur noch großen Unternehmen, die sich sinnbefreite Rechtsanwälte leisten können, die nichts weiter machen als Papiermüll zu produzieren, indem sie Dinge protokollieren, die niemandem einen Gewinn bringen – außer dem Unternehmen. Denn jetzt mal Butter bei die Fische: Ihr glaubt doch nicht allen Ernstes, dass durch diese Verordnung auch nur ein Fünkchen mehr an Datensicherheit und vor allem Datenkontrolle für den Einzelnen bei großen Plattformen durchgesetzt wird. Denn für diejenigen Unternehmen, die sich die Datenschutzverwaltung leisten können, öffnen sich damit neue Türen der Verarbeitung. Einzige Bedingung: die EU sagt dir, wie du verarbeiten musst.

Genau das ist auch Sinn der Verordnung: Vereinheitlichung für global / international agierende Unternehmen. Selbstständige und kleine Agenturen sind damit erstmal pleite, denn Kunden werden die paar Hundert Euro für eine zertifizierte Datenschutzerklärung auf der Webseite nicht zahlen – wozu auch, wenn es genug Plattformen gibt, auf denen man verkaufen, darstellen und bloggen kann.

Warum dieser Artikel keine genauen Infos enthält? Weil ich selbst genauso ratlos bin und selbst die bisherigen Artikel über die DSGVO nichts bringen außer Ärger, Ratlosigkeit, dummes Geschwätz.

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